Unser Ziel Risikominnimierung für Mensch und Tier

Risikominimierungsmaßnahmen (RMM)

Die Grundlagen der Risikominimierungsmaßnahmen sind die Beschränkung der Verwenderkategorie und die Festlegung einer guten fachlichen Anwendung (GfA) von Fraßködern zur Nagetierbekämpfung. Zur Risikominimierung für Mensch, Tier und Umwelt werden die Maßnahmen zur Anwendung von Nagetierbekämpfungsmitteln immer wieder neu bewertet und aufgesetzt.

Das Umweltbundesamt (UBA) hat seit September 2013 neue Anwendungsmaßnahmen für die Verwendung von Rodentiziden festgelegt. Rodentizide sind Wirkstoffe, die ausschließlich zur Bekämpfung von Schadnagern verwendet werden. Sie dienen zum Ködern und zur Begasung von unterirdischen Nagetiergängen und Lagerräumen. Da die meisten Rodentizide blutgerinnungshemmend wirken, werden sie auch als Antikoagulanzien bezeichnet. Nach einer europäischen Wirkstoff- und Risikobewertung von einzelnen Produkten wurden Rodentizide mit Antikoagulanzien der 1. Generation für die Öffentlichkeit zugelassen. Sie können von Verbrauchern und nicht-berufsmäßigen Verwendern in Innenräumen und unmittelbar um Gebäude eingesetzt werden. Rodentizid-Produkte mit blutgerinnungshemmenden Mitteln (Antikoagulanzien der 2. Generation) dürfen jedoch aufgrund der erhöhten Risiken nur noch von Sachkundigen Personen verwendet werden und sind für den Verbraucher nicht mehr zu erwerben. Diese Maßnahme verhindert die Anwendung von Biozid-Produkten auf ungeschützten oder unbeaufsichtigten Bereichen. Zudem minimieren sie die unabsichtliche primäre und sekundäre Vergiftungsgefahr von Nicht-Zieltieren.

Zulassungsverfahren nach der neuen Biozid-Verordnung

Die Biozid-Richtlinien werden seit dem 1. September 2013 durch die neue Biozid-Verordnung ersetzt und sind von nun an gültig. Sie beinhaltet weiterhin noch, dass Biozid-Produkte nur Wirkstoffe enthalten dürfen, die in der Unionsliste für zugelassene Wirkstoffe eingetragen wurden. Die Voraussetzungen der Listung müssen dabei erfüllt sein. So dürfen durch die Einnahme der Köder keine unnötigen Leiden für das Nagetier entstehen.  Sollte ein Wirkstoff bei einer Risikobewertung ein unannehmbares Risiko für Mensch, Tier und Umwelt aufweisen, wird dieser entweder nicht in die Unionsliste aufgenommen oder mit entsprechenden risikomindernden Auflagen und Beschränkungen für die Verwendung in Biozid-Produkten genehmigt. Die Behörde prüft zudem aus welcher Wirkstoffzusammensetzung das Produkt besteht und ob es eine zufriedenstellende Wirkung auf das Nagetier erzielt. Biozid-Produkte, die nicht genehmigte Wirkstoffe enthalten, sind in der EU nach Ablauf der Übergangsfrist nicht mehr vermarktungsfähig. Ein Wirkstoff wird in der Regel für 10 Jahre in die Unionsliste der neuen Biozid-Verordnung aufgenommen. Für Antikoagulanzien wurde aufgrund der hohen Umweltrisiken eine kürzere Frist von 5 Jahren gesetzt. Nach Ablauf der Frist wird über eine weniger umweltgefährdendere Alternative gesucht.

Wirkung der Rodentizide auf das Nagetier

In der Regel wirken die Rodentizid-Köder blutgerinnungshemmend. Das betroffene Tier verliert dadurch die Fähigkeit zur Blutgerinnung und verblutet innerlich. Die Wirkung tritt erst nach 3-7 Tagen ein. Das Nagetier bringt dadurch die giftige Wirkung nicht mit dem Köder in Verbindung und führt eventuell mehr seiner Art zu den Köder, da er für den Nager unbedenklich erscheint.

Man unterscheidet bei der Anwendung von Antikoagulanzien zwischen Wirkstoffen der 1. und der 2. Generation.

Antikoagulanzien der ersten Generation (FGAR)

Wirkstoffe wie z.B. Warfarin, Chlorphacinon und Coumatetralyl sind in Antikoagulanzien der ersten Generation enthalten. Diese giftigen Rodentizide müssen mehrmals von dem Nagetier aufgenommen werden, damit eine tödliche Dosis erreicht werden kann.

Die Anwendung kann auch vom Verbraucher durchgeführt werden und beschränkt sich auf den Innenraum und den Außenbereich unmittelbar um das Gebäude.

Antikoagulanzien der zweiten Generation (SGAR)

Wirkstoffe wie Brodifacoum, Bromadiolon, Difenacoum, Difethialon und Flocoumafen gehören zu den Antikoagulanzien der zweiten Generation. Sie sind deutlich giftiger und erzielen schon meist nach der ersten Aufnahme eine tödliche Wirkung.

Diese Wirkstoffe dürfen nur von sachkundigen Personen verwendet werden. Der Anwendungsbereich ist für die Sachkundigen nicht eingeschränkt und kann sowohl im Innen- als auch im Außenbereich erfolgen. Verbraucher sind bei der Anwendung von Antikoagulanzien der zweiten Generation ausgeschlossen. Berufsmäßige Verwender, die keine Sachkunde nachweisen können, sind ebenfalls von der Anwendung ausgeschlossen.

Verwenderkatekorien

Abb. 1, Tabelle der Anwendungsbereiche für die verschiedenen Verwendergruppen
(Inhalte sind vom Umweltbundesamt entnommen)

Erkennungsmerkmal eines geprüften Biozid-Produkts

Ob es sich um ein geprüftes Biozid-Produkt handelt, lässt sich anhand der Zulassungsnummer erkennen. Sie befindet sich auf dem Etikett des Produktes und beginnt mit „DE-20(...)“. Man erkennt ein geprüftes Produkt auch an dem Jahresdatum der Zulassung.

Einige Produkte besitzen zwar keine Zulassung, sind aber aufgrund von Übergangsregelungen noch zur Vermarktung freigegeben. Diese Biozid-Produkte weisen auf eine Registrierungsnummer der BAuA auf, welche sich auf dem Etikett des Produktes befindet. Sie besteht aus einem „N-„ und einer darauffolgenden fünfstelligen Nummer.

Hier eine Liste der Ratten- und Mäusearten, die nach der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) bekämpft werden dürfen.

  • Hausmaus
  • Hausratte
  • Erdmaus
  • Feldmaus
  • Rötelmaus
  • Schermaus
  • Wanderratte

Ausnahmen: Diese Arten dürfen nicht ohne entsprechende Genehmigung der zuständigen unteren Naturschutzbehörde bekämpft werden.

  • Spitzmaus (gehört zur Ordnung der Insektenfresser, ist daher kein Nagetier)
  • Waldmaus

Verwenderkategorien für die Zulassung von Rodentiziden

Aufgrund der gefährlichen Eigenschaften von Rodentiziden werden in Deutschland die Zulassungen dieser Produkte in drei Verwenderkategorien unterteilt:

Die Nicht-berufsmäßigen Verwender sind die Verbraucher. Sie setzten ein Biozid-Produkt nur im privaten Haushalt ein. Durch den Mangel an fachlichen Kenntnissen besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sich der Verbraucher nicht exakt an die Gebrauchsanweisung des Produktes hält oder nicht die notwenige persönliche Schutzausrüstung, wie Handschuhe, verwendet.

Der Berufsmäßige Verwender setzt Biozid-Produkte in seiner beruflichen Tätigkeit ein, die keinen alltäglichen Einsatz von Rodentiziden voraussetzt. Ein gutes Beispiel hierfür sind der Hausmeister und der Kanalarbeiter. Sie besitzen nicht viel mehr fachliche Kenntnisse und Wissen über mögliche Gefahren, als der Nicht-berufsmäßigen Verwender.

Der Sachkundige Verwender kann der ausgebildete Schädlingsbekämpfer oder eine Person, die eine gleichwertige anerkannte Ausbildung nach Gefahrenstoffverordnung besitzt, sein. Der ausgebildete Schädlingsbekämpfer besitzt jedoch eine spezielle Qualifikation, durch z.B. eine von der Behörde anerkannten Aus- und Weiterbildung in dem jeweiligen Fachgebiet. 

Anwendungsbereiche von Rodentiziden

Die Verwendung von Rodentiziden wird nach den Richtlinien in verschiedene Anwendungsbereiche unterteilt. Zu den Bereichen gehören Innenraum, in und um Gebäude, Kanalisation, Mülldeponie, Auslegung im offenen Gelände und Begasung in Nagegängen. Diese Anwendungsbereiche lassen sich unter anderem anhand der zugelassenen Menge von Rodentiziden und an der Art und Kontrollhäufigkeit der Anwendung unterscheiden. Dies ist durch den Zulassungsantrag EU-weit festgelegt.

Vorgehensweisen der Anwendungsbereiche

Innenraum – Dieser Anwendungsbereich beschränkt sich auf geschlossene Gebäude oder –Räumlichkeiten. Es werden Köderstationen verwendet, die von einem Sachkundigen Verwender (Schädlingsbekämpfer) an den dafür Vorgesehen Stellen angebracht werden. Die Stationen müssen unzugänglich für Kinder und Nicht-Zieltiere sein – dafür eignen sich Kabelschächte, Zwischenwände, oder Schaltschränke. Der Schadnager darf nicht ungehindert zwischen dem Innen- und Außenbereich wechseln können, denn dadurch würde eine Gefahr der Vergiftung anderer Nicht-Zieltiere im Außenbereich bestehen. 

In und um Gebäude – Für eine effiziente Bekämpfung der Nager sollten Köderstationen sowie Innen, als auch Außen angebracht werden. Die Gefahr einer Vergiftung der Nicht-Zieltiere ist hierbei jedoch höher, da sie von dem Vergifteten toten Tier fressen könnten. Außerdem kann einer Ratte oder einer Maus den vergifteten Köder Außerhalb um die Köderstation herum verstreuen.

Offenes Gelände – Dieser Anwendungsbereich fällt auf öffentliches Gelände wie z.B. Parks oder Golfplätze. Die Köder dürfen auch vom Gebäude entfernt „im offenen Gelände“ verwendet werden. Wenn auf dem Produktetikett nichts anderes festgelegt ist, dürfen die Köder auch in Mäuse- oder Rattenlöcher gesetzt werden. Voraussetzung ist nur, dass der Köder anschließend wieder verdeckt wird, (z.B. mit einem Stein) um eine mögliche Vergiftung von Nicht-Zieltieren zu vermeiden.

Kanalisation – In diesem Anwendungsbereich dürfen nur berufsmäßige Verwender, wie der Kanalarbeiter, die Bekämpfung durchführen. Die Köder werden oberhalb der Hochwassermarke eingehängt. Dabei ist zu beachten, dass der Köder nicht mit dem Abwasser in Kontakt kommt.

Mülldeponie – Dieser Anwendungsbereich unterscheidet sich von den Anwendungsbereichen „um Gebäude“ und “offenen Gelände“ nur in der Menge des verwendeten Rodentizids und durch die Häufigkeit der Anwendung. Im Gegensatz zu dem „offenen Gelände“ dürfen in diesem Bereich keine Köder in Nagerbauten von z.B. Ratten verteilt werden. Der sachkundige Verwender bringt die Köder entweder in Köderstationen an oder in für Kinder und Nicht-Zieltiere unzugängliche Bereiche.

Umweltrisiken durch die Anwendung von Antikoagulanzien

Die Anwendung von Rodentiziden mit Antikoagulanzien zeigt für Wildtiere bei der EU-weiten Wirkstoffbewertung ein sehr hohes Risiko auf. Die Gefahr einer unabsichtlichen Vergiftung von Nicht-Zieltieren ist durch die Aufnahme der Köder sehr groß. Man spricht dabei von einer Primärvergiftung. Die Menge des Giftes in dem toten Nagetier kann ebenfalls eine große Vergiftungsgefahr für Tiere dastellen, die von dem toten Nagetier fressen. Davon betroffen sind vor allem Raubvögel und räuberische Säugetiere. Hier spricht man von einer Sekundärvergiftung. Wieso die Risiken so hoch sind, liegt daran, dass die Blutgerinnung von Vögeln mit der von Säugetieren zu vergleichen ist. Die Aufnahme von Antikoagulanzien der 1. und 2. Generation ist aber nicht nur für Schädlinge und Wildtiere, sondern auch für den Mensch giftig.

PBT / vPvB-Stoffe

Chemikalien, die sich als persistent (P), bioakkumulierend (B), und toxisch (T) oder die sehr persistent (vP) und sehr bioakkumulierend (vB) auszeichnen, werden als PBT- / vPvB-Stoffe bezeichnet. Diese Chemikalien lassen sich aufgrund ihrer langen Wirkungsdauer nur sehr schwer in der Umwelt abbauen (persistent), reichern sich an Organismen und somit auch an Nahrungsketten sowie an Gewässern und anderen Stoffen aus der Umwelt an (bioakkumulierend) und sind für Mensch und Organismen in der Umwelt giftig (toxisch). Die Nutzung von PBT-Stoffen in Biozid-Produkten ist unabhängig von ihrer Konzentration und Menge zu vermeiden. In allen Antikoagulanzien der 2. Generation wurden potentielle PBT-Stoffe und sogar auch vPvB-Stoffe identifiziert. Weniger problematisch sind FGARs, die im Vergleich zu SGARs weniger bioakkumulierend und weniger toxisch eingeschätzt werden.

Aufgrund der langfristig nicht vorhersehbaren Risiken für die menschliche Gesundheit und die Umwelt sind Wirkstoffe mit PBT- oder vPvB-Eigenschaften nach der neuen Biozid-Verordnung nicht zur Verwendung für die gesamte Öffentlichkeit zugelassen.

Risiken der PBT- / vPvB-Stoffe

Die Umweltrisikobewertung kontrolliert die Produkte auch nach Konzentration eines Wirkstoffes.

Denn auch bei einer geringen Konzentration dieser Wirkstoffe ergeben sich für die Produkte hohe Risiken. Ohne die Anwendung von Risikominimierungsmaßnahmen wird die Verwendung von diesen Wirkstoffen nicht erlaubt. Anders als bei die Umweltrisikobewertung werden PBT-Stoffe bei der PBT-Bewertung nach Stoffeigenschaften bewertet und nicht nach der Konzentration in dem Produkt.

Antikoagulanzien im Innenraum

Es wird über eine mögliche Beschränkung der Anwendung von Antikoagulanzien für den Innenraum diskutiert. Das Nicht-Zieltier soll nicht mehr in direkten Kontakt mit dem Köder treten. Eine Primärvergiftung würde verhindert werden und somit die Gefahr einer Vergiftung von Nicht-Zieltieren bedingt reduziert werden. Die mögliche Gefahr für Haustiere wird dadurch nicht ausgeschlossen. Zudem besteht immer noch die Gefahr eine Sekundärvergiftung durch Nagetiere, die von dem vergifteten Tier fressen und zwischen dem Innen- und Außenbereich wechseln können. Der Nager wäre noch tagelang eine potenzielle Beute für andere Tiere. Die Schleiereule Beispielsweise ist dafür bekannt, dass sie im Winter auch in Scheunen auf der Jagd nach Hausmäusen ist.

Eine Beschränkung der Anwendung von Antikoagulanzien für den Innenraum würde die Gefahren einer Sekundärvergiftung daher nicht ausreichend verhindern. Zudem ist für eine effiziente Schädlingsbekämpfung wichtig, auch im Außenbereich an Laufwegen und Nistplätzen den Köder auszulegen.

Gefährdung für Nicht-Zielorganismen

Eine wissenschaftliche Untersuchung dokumentierte die Bestätigung einer Gefahr von Nicht-Zieltieren. Es wurden nachweislich Rückstände von Antikoagulanzien der 2. Generation in Wildtieren gefunden, die eine Gefährdung für Nicht-Zieltiere in Europa, aber auch anderen Kontinenten bedeutet. Auch in Schleiereulen, Waldkäuzen, Mäusebussarden, Steinadlern wurden Rückstände von Rodentiziden entdeckt. In Iltissen, Nerzen, Chambrillon, Wiesel und Füchsen wurde ebenfalls dieser Wirkstoff nachgewiesen. Davon betroffen sind auch Vogel die sich nur von Samen oder Körnern ernähren. Sie nehmen den aus Getreide bestehenden Köder direkt auf.

Neben der tödlichen Wirkung des Giftes sind auch langfristige Nebenwirkungen anzunehmen. Das Gift kann für die Tiere Auswirkungen im Verhalten und in der Fortpflanzung haben.

Studien ergeben, dass es sich nicht vermeiden lässt, durch den Einsatz von Rodentiziden auch Nicht-Zieltiere zu vergiften. Das Risiko einer Sekundärvergiftung lässt sich nur minimieren.

Fachliche Anwendung von Antikoagulanzien

Der Bestandteil für die Verwendung von Rodentiziden die Antikoagulanzien enthalten, sind die allgemeinen Kriterien einer guten fachlichen Anwendung, auch GfA genannt. Sie bestimmen den Anteil der zugelassenen Menge an Rodentizid in dem Produkt und müssen eingehalten werden. Bei der Verwendung von noch nicht zugelassen Rodentiziden muss die GfA ebenfalls eingehalten werden. Für jede Verwenderkategorie gibt es eine Fassung zur guten fachlichen Anwendung von Rodentiziden die Antikoagulanzien der 1. oder 2. Generation enthalten.

Anwendungsbestimmungen

Die Verwendungsbedingung von Biozid-Produkten muss eingehalten werden. Für den Fall einer Ordnungswidrigkeit gegen die Bestimmungen des Chemikaliengesetztes in Verbindung mit der Gefahrenstoffverordnung ahndet der Vollzug der Bundeslänger diesen Verstoß mit einem Bußgeld von 50.000 Euro aus.

Fachliche Anwendung in der Kanalisation

Die Köder werden nur von geschulten Schädlingsbekämpfern und -Kanalarbeitern oder anderen berufsmäßigen Verwendern, die eine Sachkunde nachweisen können, in den Kanalschächten ausgehangen. Die gute fachliche Anwendung (GfA) ist für sachkundige Verwender einzuhalten. Anders als bei einer Bekämpfung um das Gebäude oder im offenen Gelände wird hier keine Köderstation benötigt. Da sich in der Kanalisation keine Nicht-Zielorganismen befinden und die Gefahr einer Vergiftung für die Umwelt und das Risiko einer Resistenzverbreitung nicht gegeben ist, werden die Köder nach der Aushängung nur alle 14 Tage kontrolliert. Nach einer bestimmten Zeit werden die Köder nur noch alle 2 – 3 Wochen kontrolliert.

Auch in der Kanalisation ist es möglich, gezielt Köder an den Aufenthaltsorten der Schadnager zu platzieren. Anhand der Kot- und Trittspuren lassen sich die Laufwege des Nagers leicht erkennen und helfen eine gezielte Auslegung der Köder zu bestimmten. Bei einer Nicht-Annahme kann der Köder wieder entfernt und an einer geeigneteren Stelle platziert werden. Diese Anwendung ist in erster Linie umweltfreundlicher, da weniger Biozide eingesetzt werden. Außerdem spart dies Zeit und durch den geringen Einsatz von Sachkundigen Personen auch viel Geld.

Permanente Köderauslegung

Bisher war es gängig gewesen, Fraßköder mit Antikoagulanzien permanent auszulegen. Dies stellt jedoch ein unkontrolliertes Risiko einer Vergiftung für die Umwelt und dem Risiko einer Resistenzverbreitung da. Von einer Stichprobenuntersuchung sind bei dem Wirkstoff Warfarin (Antikoagulanz der ersten Generation) bereits erste Resistenzbildungen von Wanderratten in Nordwestdeutschland und einigen angrenzenden Ländern bekannt. Zur Unterbindung ist eine permanente Beköderung zur Vorbeugung Schadnagerbefall oder zur Überwachung der Nager-Aktivitäten untersagt. Es kann jedoch auf Biozidfreie oder neue technische Alternativen zurückgegriffen werden.

Ausnahmen:

Es wird aktuell in einem Klageverfahren eine Zulassung zur Permanentbeköderung in Gewerben rechtlich überprüft. Argument für eine Zulassung sind die Vermeidung eines Befalls in sensiblen Bereichen, wie z.B. in Lebensmittelbetrieben. Auch müssen die Belange des Umweltschutzes und des Resistenzmanagements berücksichtigt werden. Hierfür wurde externer Sachverstand von Experten und Verbänden einbezogen, u.a. vom Deutschen Schädlingsbekämpfer-Verband und dem Verein zur Förderung ökologischer Schädlingsbekämpfung.

Bei einem ständigen Nagetierbefall im Außenbereich des Betriebes ist eine Bekämpfung für einen längeren Zeitraum von etwa einem Monat möglich. Da die Bekämpfung eines dauerhaften Befalls notwendig ist, fällt die Verwendung von Antikoagulanzien nicht unter die Kategorie permanentes beködern oder zu Monitoring-Zwecken, sondern unter die Langzeit-Bekämpfung.

Köder ohne Köderstationen auslegen

Offenes Auslegen von Ködern ohne Köderstationen ist untersagt. Erlaubt jedoch sind Köderauslegungen in Bereichen, die unzugänglich für Nicht-Zieltiere sind z.B. in der Kanalisation oder geschützten Bereichen, wie Ratten- und Mäuselöcher, geschlossene Kabeltrassen, Rohrleitungen, Unterbauten von z.B. Elektroschaltschränken und Hochspannungsleitungen oder Hohlräumen in Wänden und Wandverkleidungen. Die Anbringung darf jedoch nur von professionellen Schädlingsbekämpfern und berufsmäßigen Verwendern mit Sachkunde durchgeführt werden. Die Köderstation muss aufgrund der Risikominimierung Stabil genug sein, um die Zugänglichkeit für Mensch und Haustier zu verhindern und das entkommen des Schadnagers zu verhindern.

Zur Minimierungsmaßnahme sind für einige Produkte, die in der Umweltrisikobewertung ein Risiko für Bodenorganismen darstellen, die Verwendung der Köder ohne Köderstation in den Boden untersagt worden. 

Kontrolle der ausgelegten Köder

Für eine schnelle und effiziente Bekämpfung des Befalls, sollten wenn möglich die Köderstationen (zu Beginn der Bekämpfungsmaßnahme) alle 2 Tage kontrolliert werden. Mindestens aber sollen die Stationen jeden 5. Tag kontrolliert werden. Anschließend werden sie nur noch wöchentlich kontrolliert. Die regelmäßigen Kontrollen sind wichtig, um die Annahme der Köder zu prüfen. Bei dem Falle einer Nicht-Annahme können notfalls neue Köderstationen an geeigneteren Stellen aufgestellt werden.

Effizientes beködern in Großbetrieben

Um den Befall in Großbetrieben schnell und kostengünstig für den Auftraggeber zu lösen empfiehlt es sich, einen Schädlingsbekämpfer wie die Atox heranzuziehen, der über die notwenige Expertise von Rodentiziden besitzt. Die Suche und Entsorgung der toten Nager, die Kontrolle von Fallen und das Monitoring, baulicher und organischer Maßnahmen können jedoch auch von nicht-sachkundigen Mitarbeitern zusammen mit dem Schädlingsbekämpfer durchgeführt werden.

Warnhinweise

Warnhinweise, die auf Rodentizid-Köder mit Antikoagulanzien verweisen sollen, sind dort anzubringen, wo die Köder auch ausgelegt sind. Ein Warnhinweis ist jedoch nicht erforderlich, wenn der Köder für die Öffentlichkeit oder Allgemeinheit unzugänglich oder verdeckt ist. Es ist nicht erforderlich Personen zu warnen, die keinen Zugang zum Köder haben.

Die Gebietsgröße bestimmt die Anzahl der Warnhinweise. Sie müssen so angebracht werden, dass die Person ausreichend über die Köderverteilung des Bereiches und deren Gefahren für Mensch, Tier und Umwelt informiert wird.

Kriterien für Warnhinweise

  • gut Lesbar
  • auf Augenhöhe aufstellen
  • eine Signalfarbe als Hintergrund wählen
  • eine ausreichende Größe für genügend Platz
  • der festgeschrieben Angaben der GfA (siehe unten ‚Informationen auf den Köderstationen’)

Informationen auf den Köderstationen

  • Warnhinweis (z.B. Vorsicht Rattengift)
  • enthaltende(r) Wirkstoff(e)
  • Cumarinderivate
  • und den Hinweis „Kinder und Haustiere fernhalten“

Warnschild für Rattengift

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